Kultur & Spielraum e. V. München

Marion Schäfer
Marion Schäfer

Wir waren in den letzten Wochen ja viel unterwegs. Die vorerst letzte Station war der Kultur und Spielraum e.V. in München. Wir wurden dort herzlich von Marion Schäfer empfangen, die bereits unzählige Erfahrungen mit Beteiligung von Kindern in München gemacht hat.

Sie hat uns freundlicherweise ihr Nähkästchen voll mit Wissen und
Erlebnissen geöffnet.

 

 

Für den Anfang hier ein kurzer Überblick, welche Projekte der Verein teilweise über viele Jahre realisiert:

*Zentrales Kinder- und Jugendforum für München, zweimal im Jahr

*Methodenkoffer für die Stadtentwicklung einzelner Stadtteile

*Kinder- und Jugendfonds für zwei Münchner Bezirke

*Projekte zu den Kinderrechten

*Kinderzeitung mit Kinderredaktion

*Kinderspielstadt MiniMünchen (http://www.mini-muenchen.info/)
*
Diverse Stadtentwicklungsprojekte (z. B. Beteiligung bei der Planung eines großen Bildungscampus)

https://www.muenchen.de/rathaus/Stadtverwaltung/Referat-fuer-Stadtplanung-und-Bauordnung/Projekte/Freiham/Aktuelles.html%5B1%5D

http://www.ganztag-muenchen.de/bildungscampusfreiham%5B2%5D
*
Aktuell: Erarbeitung eines Methodensets für den Kita-Bereich

Vernetzung
Im Gespräch mit Marion tauchen immer wieder verschiedene Formen der Vernetzung auf.
So hat sich bereits im Jahr 1988 ein Arbeitskreis (AK) Kinder- und Jugendbeteiligung gegründet. Dieser AK soll die Partizipation von Kindern und Jugendlichen fördern und absichern. „Die Mitglieder des Arbeitskreises kümmern sich um die methodische Weiterentwicklung altersgemäßer Beteiligungsformen und um die Verankerung von
Kinderbeteiligung in den politisch-administrativen Strukturen der Stadt München.“
(http://www.agfp.de/vernetzung/arbeitskreis-kinder-und-jugendforen.html%5B3%5D)
Dieser Arbeitskreis besteht noch immer und ist nicht müde geworden, in der Stadt zu wirken.

Gemeinwesenorientierung
Ein wichtiger Aspekt ist, dass die Fachkräfte vor Ort, also in den Jugendhäusern, Kindertreffs und Kitas, den Blick für ihr direktes Gemeinwesen haben. Die Fachkräfte müssen selbst wissen, wie sie den öffentlichen Raum – meist handelt es sich um Spielplätze, Parks, Brachflächen und Verkehrswege – um ihr Angebot herum verändern
können. Dabei muss der Ansatz „geht nicht, gibt’s nicht“ verfolgt werden.

Marion hat im Zuge dessen auch die Erfahrung gemacht, dass die Erwachsenen Partizipation am besten selbst erleben müssen.
Man kann viel über Beteiligung erzählen aber, um eine Beteiligungskultur zu entwickeln, braucht es vor allem Zeit und eigene Erlebnisse.
Die Fachkräfte und die Verwaltungsmitarbeiter_innen müssen selbst hören, welche meist einfachen Wünsche Kinder und Jugendliche an ihr Umfeld haben.
Wenn man sich etwas wünschen könnte, dann sollte es für eine Stadt, die so groß wie München ist, verschiedene Beteiligungsinstrumente geben (Fonds, Foren, Stadtteilerkundung usw.) und Beteiligungsprofis in den Bezirken, die Partizipationsprozesse im Lebensumfeld der jungen Generation initiieren (bisher gibt es in München auf Stadtteilebene nur ehrenamtliche Kinder- und Jugendbeauftragte).
Je nach Bedarf der einzelnen Stadtteile kann dann das passende Instrument gewählt und genutzt werden.

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Unicef Gruppe Dresden

Anne Bibas
Anne Bibas

Wir haben uns am 30.06.16 mit Anne Bibas für ein Gespräch getroffen. Sie begleitet seit mehreren Jahren ehrenamtlich die UNICEF-Arbeitsgruppe in Dresden. Die Gruppe schreibt selbst über sich: “ Jedes Kind auf der Welt hat das Recht auf eine Kindheit – als UNICEF-Gruppe Dresden helfen wir ehrenamtlich mit, dass aus diesem Recht Wirklichkeit wird.

„Wir informieren über die Situation benachteiligter Kinder weltweit und suchen den Dialog mit der Öffentlichkeit – durch Gespräche, Informationsstände, Schulbesuche oder Ausstellungen. ” www.dresden.unicef.de

Zur Frage, was uns in Dresden unbedingt fehlt, merkt Anne die fehlende Kommunikation über die bereits bestehenden Angebote an. Es müsste eine zentrale Stelle geben, die für Kinderrechte, Partizipation, Beteiligungsprojekte Werbung machen kann, bei Erwachsenen wie auch bei Kindern und Jugendlichen selbst. Diese Stelle sollte als Interessenvertretung der Kinder fungieren und Angebote initiieren, koordinieren und zugänglich machen. Insgesamt kommt ihr ebenfalls das Thema Kinderrechte viel zu wenig in der Öffentlichkeit vor.

Darüber hinaus sollte es innerhalb der Dresdner Verwaltung eine Kinderbeauftragte/ einen Kinderbeauftragten geben, die/ der an den geeigneten Stellen die Kinder- und Jugendinteressen ins Spiel bringen kann. Denn Kinderinteressen sollten nicht nur im Jugendamt eine Rolle spielen, sondern z. B. auch im Amt für Kultur und Denkmalschutz, Gesundheitsamt, Ordnungsamt, Stadtplanungsamt sowie Straßen- und Tiefbauamt.

Wenn man sich diese beiden Wünsche vor Augen führt, wird schnell klar, in Dresden ist noch Einiges zu tun.

Geschäftsführung Kinderkommission und Kinderversammlungen – Gespräch mit Cornelia Scharf vom Jugendamt Nürnberg

Cornelia Scharf
Cornelia Scharf

Unsere Recherchen für das Dresdner Demokratiekonzept führten uns dieses Mal nach Nürnberg. In Nürnberg gibt es die sogenannte Kinderkommission, ein Unterausschuss des Jugendhilfeausschusses, welche sich für die Belange der Nürnberger Kinder einsetzt. Die Arbeit der Kinderkommission wird durch die Geschäftsführung der Kinderkommission unterstützt und diese ist Mitarbeiterin des Jugendamts und heißt Cornelia Scharf. Idealerweise lag unser Hotel direkt hinter dem Jugendamt, so konnten wir uns kurz nach Ankunft gleich ins Gespräch begeben.

Cornelia Scharf ist oft dort zu finden wo Kinder mitbestimmen. In Nürnberg gibt es für die Kinder besonders viele Gelegenheiten, denn die Stadt nimmt die Themen Menschen- und Kinderrechte, sowie die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sehr ernst. Deutlich wird dies nicht nur beim Rundgang durch die Stadt.

Ob Schulhofgestaltung, Spielplatzneubauten, Publikationen oder die Durchführung der Kinderversammlungen – dafür braucht es Kooperationspartner und kurze Wege zu den Entscheidungsträgern. Die Kinderkommission und Frau Scharf erhalten hier sehr viel Unterstützung aus den unterschiedlichsten Netzwerken. Polizei, Schule, Kinderschutzbund, der Servicebetrieb öffentlicher Raum und Spielflächen – alle tragen zu den gelingenden Kinderversammlungen bei, welche es bereits seit 1996 in Nürnberg gibt. Alle sind dazu angehalten die Beteiligung junger Menschen zu ermöglichen und die Wege hierfür zu ebnen. Frau Scharf spricht dabei vom “Top Down” Prinzip und sagt dass es anders nicht gehe. Und obwohl es in Nürnberg bereits eine lange Tradition im Bereich der Beteiligung gibt, ist kontinuierliches Werben und motivieren ein Bestandteil des Arbeitsalltags.

Die Kids und die Öffentlichkeit über die Kinderrechte zu informieren ist ein weiterer Bestandteil von Cornelia Scharfs Aufgaben. Damit dies gut gelingt, hat sich die Kinderkommission bereits im Jahr 2005 dafür ausgesprochen, dass es eine öffentlich zugängliche Straße der Kinderrechte in einem Park der Stadt gibt. Unter großer Beteiligung von Kindern und Jugendlichen stehen dort mittlerweile neun Stationen zu den unterschiedlichen Kinderrechten.

Darüber hinaus werden Schulungen und Workshops für Einrichtungen und Fachkräfte angeboten. „Denn das Gelingen von Beteiligung ist stark haltungsabhängig, hierfür müsse oft ein Paradigmenwechsel vollzogen werden“, so Scharf.

Positivbeispiele: Die Kinderkommission

Die Kinderkommission der Stadt Nürnberg trat 1994 das erste Mal zusammen. Sie wurde auf Beschluss des Jugendhilfeausschusses ins Leben gerufen, um die politischen Interessen der Kinder in der Stadt zu stärken und ihre Beteiligung zu initiieren.

Um in diesem Sinn effektiv wirken zu können, spiegelt die Zusammensetzung der Kinderkommission den Jugendhilfeausschuss wider. Dies ermöglicht der Kinderkommission, dass sie sowohl direkt politische Initiativen starten kann als auch über die „Verwaltungsschiene“ der Stadt Nürnberg tätig zu werden vermag. Die Kinderkommission trifft sich in der Regel fünf Mal im Jahr.

und die Kinderversammlung

Die Kinderkommission der Stadt Nürnberg bietet in Kooperation mit dem Jugendamt vor jeder Bürgerversammlung des Oberbürgermeisters am gleichen Ort nachmittags Kinderversammlungen an. Zielgruppe sind Kinder von 6 bis 14 Jahren. Die Leitung der Kinderversammlung hat die Vorsitzende der Kinderkommission, Presse und Öffentlichkeit sind eingeladen.

Es werden alle Schulformen sowie Kinderhorte, Verbände, Vereine, Initiativen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit rechtzeitig vor dem Versammlungstermin informiert und in Kenntnis gesetzt, wie die Kinder auf diese Versammlung vorbereitet und eingestimmt werden können. Bei den Versammlungen haben ausschließlich Kinder Rederecht. Erwachsene haben nur dann Rederecht, wenn sie als Fachleute befragt werden.

In Kinderversammlungen haben die Kinder die Möglichkeit ihre Sorgen und Nöte vorzutragen und Anträge zur weiteren Bearbeitung an die Dienststellen der Stadt abzugeben. Die Beiträge werden zum Beispiel mit Plakaten oder Sketchen vorgetragen. Diese wurden im Vorfeld von Einrichtungen gemeinsam mit den Kindern gestaltet. Die Fachleuten aus der Verwaltung und anderen zuständigen Bereichen stehen den Kindern Rede und Antwort.
Die zuständigen Stellen der Verwaltung bearbeiten anschließend diese Anträge und informieren die Kinder über die Ergebnisse.

Die Kids haben seit Bestehen der Kinderversammlung noch keine einzige Versammlung ausfallen lassen. Wichtig sei es vor allem, die Versammlungen gut vorzubereiten, dafür brauche es Unterstützung von den Einrichtungen sowie eine kindergerechte Begleitung, z.B. durch professionelle Moderator/innen. Ergebnisorientiertes Arbeiten, sowie zeitnahe Rückmeldungen an die Kinder, werden wann immer es möglich ist angestrebt. Die Verwaltung wird erinnert, wenn sie sich nicht an Absprachen und Termine hält.
Hierfür gibt es eine/n unabhängige/n Pat/in. Dies ist eine Person aus der Bürgerschaft, welche überprüft, ob alles fristgemäß umgesetzt oder beantwortet wird.
Die Mitwirkung der Bürger/-innen aus dem Stadtteil, ist für im Sinne einer parteilichen Kontrollinstanz für die Kids wichtig. Das System darf sich nicht selbst kontrollieren. Kontrolle und Begleitung sind notwendige Bestandteile des Konzeptes“, so Cornelia Scharf. Verpflichtung und Verbindlichkeiten sind wichtige Säulen beim Thema Partizipation.

Noch etwas betont Frau Scharf: „ Es wird daran gearbeitet, dass ungünstige Parallelstrukturen vermieden werden und im Interesse der Kinder gemeinsam gearbeitet wird. Egal, wer im Beteiliungsprozess welche Rolle einnimmt, jede Aufgabe ist wichtig und trägt zum Erfolg der Kinder bei. Dies zu verstehen und zu leben trägt dazu bei, dass die Kinder in den Kinderversammlungsjahren 2011 bis 2013 über 50 % ihrer Anträge mit einem lachenden Gesicht zurückbekommen haben – was bedeutet Antrag erfolgreich umgesetzt.

Vielen Dank, für den wunderbar informativen Einstieg in Nürnberg!
Weitere Informationen:

Homepage Jugendamt Nürnberg: http://www.jugendamt.nuernberg.de/jugendhilfeausschuss/kinderkommission.html

Straße der Kinderrechte

http://www.jugendamt.nuernberg.de/kinder/strasse_der_kinderrechte.html

Interview mit Birke Tröger

Sportjugend
Birke Tröger

In den Räumen der „Sportjugend Dresden“ kam ich mit Birke Tröger über Partizipation innerhalb der Dresdner Sportvereine ins Gespräch. Seit 2007 arbeitet sie dort als Geschäftsführerin. Die Sportjugend Dresden ist der Jugendverband des Stadtsportbundes Dresden. Hier sind alle Sportvereine Mitglied, die Angebote für unter 27 – Jährige bereithalten und/oder junge Menschen innerhalb der Vorstandstätigkeit innehaben. Es gibt in Dresden übrigens knapp 400 Sportvereine, über 300 davon sind Mitglieder der Sportjugend Dresden.

Anders als im finanzierten Sektor des Leistungssports wird der Breitensport ausschließlich von ehrenamtlich engagierten Trainer_innen und Mitgliedern belebt.

Oftmals wächst man verbandstypisch in seinem Sportverein auf und übernimmt, je älter und erfahrener man wird, Aufgabenbereiche innerhalb der Vereinsstrukturen. Dies kann im Jugendvorstand beginnen und bietet darüber hinaus den Werdegang als Trainer_in, Kampf- oder Schiedsrichterin Kapitän_in der Mannschaft oder Vorstandsmitglied. Der Vorstand koordiniert administrative aber auch inhaltliche Ausrichtungen, die Planung von Veranstaltungen oder die Positionierung zu bestimmten Anliegen. Um z.B. gelingende Integrationsarbeit zu leiste, haben sich Vereine geöffnet um Sport und Bewegungsangebote für Flüchtlinge und Migrant_innen bereit zu halten. Der Jugendvorstand im Speziellen kümmert sich um Anliegen der jungen Mitgliederschaft und plant z.B. Veranstaltungen für Kinder, wie Faschings- oder Weihnachtsfeiern. Auch Ferienfahrten in Sportcamps werden beteiligungsorientiert organisiert.

Und als Kapitän_in der Mannschaft trägt man die Anliegen des Teams an den Trainer/die Trainerin weiter. Auch hier finden also Diskussion und Aushandlungsprozesse statt, die dem Anliegen demokratischer Strukturen zu Grunde liegen. Bedauerlich ist aber, dass die langfristige Verbindlichkeit, die z. B. ein Vorstandsposten mit sich bringt, oftmals von Älteren ausgeführt wird, obwohl es Anliegen des Jugendverbands ist, junge Menschen fit für dieses Gremium zu machen. Auch die Verantwortungsabgabe der Alteingesessenen spielt dabei eine Rolle.

Wir fragen uns gemeinsam, wie Beteiligung in diesem Bereich attraktiver gemacht werden kann. Des Weiteren sprechen wir über flankierende Themen wie Gender Mainstreaming und Inklusion. Auch hier gibt es noch Luft nach oben, um alle anzusprechen und Teilhabe gleichermaßen zu ermöglichen.

Positiv ist, dass im Vergleich zu anderen Freizeitaktivitäten eine Mitgliedschaft in einem Sportverein sehr preisgünstig und somit einer breiten Bevölkerungsschicht zugänglich ist. Birke wünscht sich für Dresden den Aufbau einer Anlaufstell, in der zu den oben benannten Themen Beratung angeboten wird. „Da sollten Menschen sitze, die alles wissen zum Thema Kinder- und Jugendbeteiligung – auch rechtliche Fragen hierzu sind relevant“ Wenn ihr mehr über die Angebote der Sportjugend erfahren wollt, folgt dem Link: http://www.sportjugend-dresden.de/

Medien? Kultur? Beteiligung?

 

Felix, Kristina und Michael
Felix, Kristina und Michael

 

Bei sommerlichen Temperaturen sitze ich mit den 3 Kulturschaffenden Kristina Richter, Mitarbeiterin des Medienkulturzentrums und damit Mitgestalterin der crossmediatour,  Michael Pietrusky und Felix Liebig, beide Gesellschafter der urbanofeel gbr https://urbanofeel.wordpress.com/.

 

Die drei verbindet die Zusammenarbeit innerhalb der crossmediatour http://www.crossmediatour.de/ in  Dresden. Dort bringen sie ihre unterschiedliche Expertise in die Medien- und Kulturprojekte der Angebote ein und sind darüber hinaus seit Jahren in Dresden aktiv (jungen) Menschen zu vermitteln ihre Umwelt wahrzunehmen, zu begreifen und mit künstlerischen Mitteln zu gestalten. Mehr über das Wirken der drei findet ihr unter den Verlinkungen.

Bei der Frage: Was existiert bereits an Beteiligungsformen in Dresden? berichten sie mir von spannenden Projektbeispielen.

Einerseits existiert im Stadtteil Johannstadt ein Quartiersbeirat, in dem auch Jugendliche über die Vergabe von Mitteln für das Sanierungsgebiet, aus dem Verfügungsfonds „Soziale Stadt – Nördliche Johannstadt“ mitentscheiden dürfen. Diese definieren sie als gemeinwesenorientierte Projekte, die zum Ziel haben, dass die Bewohner sich aktiv in die Gestaltung ihres Viertels einbringen können. Anhand der Kriterien wird deutlich, warum es sich um demokratiefördende, partizipatorisch ausgerichtete Projekte handelt:  Der Dialog geschieht auf Augenhöhe, es existiert ein Gleichgewicht der Stimmen und die Entscheidungsfindung basiert auf gemeinsamen Aushandlungsprozessen.

Andererseits bemängeln die drei Akteure, dass auch die Stadtteilrunden, die in ganz Dresden existieren, ihren Fokus mehr auf die Gemeinwesenarbeit richten sollten und durch die Besetzung auch von Kinder- und Jugendeinrichtungen als Kinderinteressenvertretung agieren könnten. Sie spinnen die Idee einer Stadtteilgruppe, die intrinsisch motiviert zusammenfindet und die Kids abholt, ihre Anliegen einzubringen. Denn Jugendhilfefragen sind “Erwachsenenfragen”, dass was die jungen Menschen wollen hat stark mit ihren Bedürfnissen zu tun. Dies stehe nebeneinander und müsse gleichermaßen Beachtung finden.

In Prohlis gebe es nach ihrem Wissen eine Stadtteilrallye, die dazu dient, den Stadtteil und seine Angebote kennenzulernen. Dies ist ein Beteiligungspool in Spe, maßgeblich von  der dortigen Stadtteilrunde organisiert und in Zusammenarbeit mit jungen Menschen durchgeführt.

Was brauchen denn aber junge Menschen eurer Meinung nach, um sich angesprochen zu fühlen mitzugestalten?

„Es fehlt die Basis eine Gruppenmeinung erarbeiten zu können, dafür gibt es bisher kein Medium, sonst hat man nur die Schülersprecher, aber die anderen bleiben vor. Demokratiebildung muss über Projekte hinausgehen, weil die nicht realitätsnah sind, der Übertrag zu dem, was draußen geht ist das Schwierige. Das ist die Prämisse, wenn möglich müssen die Kids eine Übersetzung bekommen. Erwachsene sollen auf die Kids zugehen.“ Was ist mit Jugendparlamenten? “Parlamente stellen vermutlich eine Hürde dar, nicht jede_r ist in der Lage in so einem Format das zu formulieren was er/sie will. Mit Redebeiträgen greift man nur eine Sorte junger Menschen ab. Wir müssen aber Jugendliche aus ihren Milieus und Jugendkulturen heraus bezogen ansprechen.”

Auch Schule und das reale Leben ergänzen sich da leider nicht im wünschenswerten Maß, dabei könnte man im Unterricht argumentieren und demokratische Strukturen zu leben sehr gut lernen. Möglich wäre auch ein Open Space, ein Medium in dem Jugendliche ohne Einmischung der Erwachsenen diskutieren können. Darüber hinaus müssen Kinder und Jugendliche zeitnah den Effekt ihres Engagements merken. Dem stehen Verwaltungsstrukturen oft diametral entgegen.

Spannend finden wir auch den Aspekt, dass die Anliegen, die Kinder in bereits funktionierenden Beteiligungsmodellen anbringen, recht konform scheinen, mit denen die allen Altersgruppen wichtig erscheinen. Sauberkeit und Sicherheit sind z.B. präsente Themen. Die gewagte These dahinter ist, dass der Konformismus schon in den Kinderköpfen angekommen ist. Und wir fragen uns, was gibt es für Methoden, damit Kids benennen, was sie wirklich wollen und nicht von dem sie denken, das will jemand hören, das hat Mutti schon gesagt oder das könnte allen gefallen?

Aus den Erfahrungen der drei sind dafür künstlerisch, kulturelle Projekte sinnvoll und förderlich. Die Stadt der Zukunft darf Utopien enthalten und diese entwickeln sich erst, wenn die Grundbedürfnisse, die ja zu recht auch von Kindern eingefordert werden, befriedigt sind. Auch hier landen wir wieder bei einer aktiven Gemeinwesenarbeit, die tatsächlichen Freiraum bietet und Strukturen schafft, um sich einbinden zu können.

Die kritische Auseinandersetzung zu Stadtentwicklung und dem Denken “Out of the Box”, also außerhalb des Gewohnten ist somit ein weiterer Bestandteil, wenn man lebendige, unabhängige Beteiligungskulturen entwickeln möchte.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Besuch beim Projekt LAUT! in Nürnberg

Nives Homec

Unsere nächste Station in Nürnberg war das Jugendbeteiligungsprojekt LAUT!. Mit der Gesamtkoordinatorin Nives Homec haben wir über dessen Entstehung und Arbeitsweise gesprochen.

Während es für Erwachsene und für Kinder in Nürnberg eine gut ausgestatte Infrastruktur von Beteiligungsformen gibt, war es Jugendlichen bisher nicht möglich, in verbindlichen Strukturen und in altersadäquaten Formen ihre Anliegen einzubringen und öffentlich zu artikulieren.

Der Jugendhilfeausschuss der Stadt Nürnberg beschloss in seiner Sitzung vom 26.03.2009 das Konzept laut! zur Partizipation von Jugendlichen in Nürnberg.

Ziel war es, auf kommunaler Ebene eine systematische Beteiligungsstruktur für Jugendliche aufzubauen. Die konzeptionelle Orientierung leitet sich aus den gesetzlichen Bestimmungen des Sozialgesetzbuches VIII (Kinder- und Jugendhilfegesetz) ab, hat als fachlichen Bezugspunkt die politische Bildung junger Menschen und versteht sich als Beitrag zur Demokratieerziehung.

Partizipation von Jugendlichen läuft seitdem unter dem Projekttitel laut! und ist ein Kooperationsprojekt des Jugendamts der Stadt Nürnberg, des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt und des Medienzentrums Parabol.

Adressat_innen sind Jugendliche im Alter von 14 bis 17 Jahren. Bei der Umsetzung sollte jedoch die formale juristische Definition von Jugendlichen kein Ausschlusskriterium sein. Bei Bedarf können auch 12- oder 13-jährige Jugendliche und Heranwachsende im Alter von 18 bis 20 Jahren (in Ausnahmefällen auch bis 27 Jahren) eingebunden werden. Partizipation richtet sich grundsätzlich an alle Jugendlichen dieser Altersgruppe. Über die bereits politisch interessierten hinaus werden mit Priorität Jugendliche angesprochen und motiviert, die sich bisher wenig oder gar nicht „politisch“ betätigt haben und/oder bisher vorhandene Partizipationsmöglichkeiten nicht nutzen konnten oder wollten.

laut! startete Ende Mai 2011 mit einer Kampagne und war zunächst für eine Modelllaufzeit von zwei Jahren geplant. Nach der Projektlaufphase von 2011 bis 2012 konnte das Projekt mit einem Stadtratsbeschluss langfristig abgesichert und nachhaltig in die Partizipationsstrukturen der Stadt Nürnberg implementiert werden.

Der Spruch, den wir an der Toilettentür finden, beschreibt die gemachten Erfahrungen von Nives gut: „Wer etwas will findet Wege, wer etwas nicht will findet Gründe“

Alles zu den umfangreichen Projekten von LAUT! findet ihr hier: http://www.laut-nuernberg.de/

Vielen Dank liebe Nives für deine Zeit und das spannende Gespräch mit Dir!